Geschichte

Anfänge der Radioastronomie

Die UNESCO hat 2009 zum "internationalen Jahr der Astronomie" erklärt, das Jahr also, in dem seit den ersten Beobachtungen Galileo Galileis durch ein Fernrohr 400 Jahre vergangen sind. Die Radioastronomie ist dagegen eine recht junge Wissenschaft: Die erste Übertragung elektromagnetischer Wellen von einem Sender zu einem Empfänger gelang Heinrich Hertz 1886. Der Nachweis, dass wir auf der Erde auch Radiostrahlung aus dem Weltall empfangen können, wurde 1933 erbracht. Karl Jansky untersuchte damals Störungen bei der Übertragung von Radiowellen und entdeckte dabei eher zufällig Radiowellen aus dem Zentrum unserer Milchstraße.

Die erste systematische Suche nach Radiostrahlung aus dem Weltall führte der Funkamateur und Nachrichteningenieur Grote Reber durch. Er hat 1937 in seinem Garten das erste universelle Radioteleskop im heutigen Sinne gebaut, einen allseitig schwenkbaren Parabolspiegel mit einem Empfänger im Brennpunkt. Die erste vollständige Himmelsdurchmusterung konnte von ihm 1943 beendet werden. Es dauerte aber noch bis in die fünfziger Jahre, bis die Astronomen diese Beobachtungen richtig interpretieren konnten.

Peiler und Hilfsgebäude

Der Beschluss zum Bau des Astropeilers wurde in den Nachkriegsjahren gefasst. Damals wurden für die Radioastronomie überwiegend Radargeräte vom Typ "Würzburg-Riese" aus Militärbeständen verwendet, die natürlich für Forschungszwecke nicht gerade gut geeignet waren.

Gleichzeitig wurde auch das Radioteleskop im holländischen Dwingeloo geplant und gebaut, das heute ebenfalls von Freiwilligen betrieben wird.

Am 19.7.1955 reichte die Universität Bonn das Baugesuch ein, und nach Erteilung des Bauscheins am 22.11.1955 wurde der Astropeiler im Lauf des Jahres 1956 fertiggestellt. Das Forschungsprojekt war damals das teuerste in Deutschland. Das
Teleskop war für einige Zeit das größte seiner Art und blieb noch für einige Jahre das genaueste radioastronomische Messinstrument seiner Zeit. Unmittelbar danach wurde das obere der beiden Wohnhäuser fertiggestellt.

Der Peiler war ursprünglich mit einer Hausmeisterwohnung in einem Anbau neben dem Eingangsbereich geplant, aber weil es auch einen Raumbedarf für Angestellte und Forscher gab, wurde 1960 ein weiteres Unterkunftshaus geplant. Vermutlich ein Jahr später wurde das untere, größere Wohnhaus mit Platz für sechs Mitarbeiter eingeweiht.

Der Sonnenspiegel

Neben dem eigentlichen Astropeiler, also dem 25-m-Teleskop, das besonders für Beobachtungen im niedrigen GHz-Bereich ausgelegt ist, steht auf dem Stockert noch ein 10-m-Spiegel für höhere Frequenzen. Weil er für die Beobachtung der solaren Radiostrahlung konzipiert wurde, wird er meist als "Sonnenspiegel" bezeichnet.

Erste Pläne für einen 10m-Spiegel datieren von Januar 1963. Von 1964 sind statische Berechnungen dazu erhalten, und schon zum 24.8.1965 stellt die Fa. Paul Bungarten aus Euskirchen 33697,76 DM für den Bau des Teleskops in Rechnung.

Gleichzeitig wurde am Sonnenspiegel ein Messhaus errichtet. Heute wird es meist als "Sonnenhaus" bezeichnet. Der erste Bauabschnitt des Gebäudes, damals noch mit Flachdach, wurde am 4.5.1966 abgenommen, der zweite am 10.1.1968.

Ende der Nutzung

Die am Astropeiler gewonnenen Erfahrungen haben wesentlich zur Gründung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie im Jahr 1965 beigetragen. Im Jahr 1972 ging das Radioteleskop Effelsberg in Betrieb und die Forschungsaktivitäten verlagerten sich schrittweise auf dieses erheblich leistungsfähigere Teleskop. Aber auch die Störsituation am Peiler verschlechterte sich zunehmend.

Von 1979 bis 1993 diente er noch der Ausbildung von Studenten, und in diesem Rahmen wurde 1984 die letzte Diplomarbeit am Stockert geschrieben: Unter dem Titel 90 Tonnen auf den Punkt gebracht stellte Thomas Bausen ein neues Fahrprogramm für das Teleskop vor. Ein ehemaliger Operator des Teleskops hat eine Fotogalerie mit Motiven des Stockert in den 80ern auf seiner Webseite χ & h zusammengetragen, wo er auch eine interessante Geschichte der Sternwarte zitiert.

Nachdem sich die Universität Bonn 1995 vom Stockert zurückgezogen hatte, gründete sich unser Förderverein und der Peiler wurde technisches Denkmal. 1997 wurde das gesamte Gelände einem privaten Investor verkauft, und während dieser Zeit begannen Funkamateure im Verein, den 10-m-Spiegel für EME-Betrieb wieder herzurichten. Als sich der private Investor seinerseits 2004 zurückzog, konnte die NRW-Stiftung 2005 den Astropeiler erwerben, und seitdem kann an der Restaurierung der Anlagen gearbeitet werden.

In der zweiten Jahreshälfte 2007 wurden in einer aufwändigen Sanierungsaktion umfangreiche Restaurierungs- und Rostschutzarbeiten am Peiler vorgenommen.

Quelle: "Der Astropeiler Stockert - ein Radioteleskop öffnet für Schüler". Dr. P. Kalberla, 2009.